Der heilige Vater

Hilfestrukturen sollten Alleinerziehenden dem Namen nach eigentlich helfen. Dass das nicht immer der Fall ist, erleben in Deutschland alleinerziehende Mütter, die nach einer Trennung mit dem Jugendamt in Kontakt kommen. Seit mehreren Jahren kritisieren feministische Aktivist*innen und alleinerziehende Mütter, dass Behörden aufgrund ideologisch gefällter Entscheidungen Kinder in Obhut nehmen und/oder dem Vater übergeben würden.

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»Da verheizen sich die Leute«

Ina Q. ist seit den 1990er Jahren in antifaschistischen und feministischen Gruppen aktiv. Im Gespräch mit ak erklärt sie, warum sich so wenig am Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Linken ändert und wieso sich Unterstützungsgruppen weiterbilden und vernetzen sollten.

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Tödlicher Nebenwiderspruch

Wenn Malte nicht gestorben wäre, hätten wir dann eine Debatte über »stark ansteigende Queerfeindlichkeit«? Vermutlich nicht. Malte C. war Ende August auf dem CSD in Münster transfeindlich beleidigt und niedergeschlagen worden. Wenige Tage später starb er im Krankenhaus. Kurz darauf wurde eine 57-jährige transgeschlechtliche Frau in einer Bremer Straßenbahn unter anderem ins Gesicht geschlagen. 15 Kinder und Jugendliche feuerten den jugendlichen Täter lautstark an. Die Betroffene kam ins Krankenhaus. Wenig später griff ein 16-Jähriger in Berlin eine transgeschlechtliche Frau unter anderem mit einem Backstein an. Das ist schrecklich, und es ist Alltag.

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Linksliberaler Cringe

In der 3sat-Mediathek kann man sich seit kurzem eine neue Dokureihe von Mo Asumang anschauen, in der die Regisseurin Menschen mit »extremen Meinungen«, wie es im Ankündigungstext heißt, kennenlernt. Drei der vier Dokus werden von rechten Narrativen zusammengehalten: Fundamentalistische Christ*innen, Homofeinde und Männerrechtler werden besucht und befragt. Die andere dreht sich um Linksradikale.

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Wer dreht den Gashahn zu?

Viele junge Menschen drängen sich an den Gebäuden der Landungsbrücken in Hamburg in den Schatten. Sie tragen Fahnen und Transparente der Klimabewegung. Die Sonne knallt auf den Parkplatz vor ihnen, wo der Lautsprecherwagen seine Ansagen über die Straße pustet. Wo sonst Tourist*innen ihren Friesennerz an der Hafenkante spazieren tragen, ist Anfang August wenig vom Hamburger Schietwetter zu merken. Dass kurz zuvor der heißeste Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vermeldet wurde, passt zum Anlass der Menschenansammlung: Sie sind größtenteils wegen des Klimacamps mit dem Namen »System Change« nach Hamburg gekommen, in dessen Rahmen auch diese Demonstration stattfindet.

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Verräter gehen, Vergewaltiger bleiben

Johannes Domhöver, einer der Angeklagten im Antifa-Ost-Verfahren, wurde im Oktober 2021 im linken Internetforum Indymedia von zwei Betroffenen als sexuell und psychisch gewalttätig geoutet. Gleichzeitig ist Domhöver im Antifa-Ost-Verfahren angeklagt, in dessen Rahmen er sich nun entschloss, mit der Polizei zu kooperieren. Im Frühjahr bereits war ein weiteres Strafverfahren wegen Vergewaltigung gegen ihn von der Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt worden, die dieses im Februar letzten Jahres eröffnet hatte.

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Nein heißt Ja

Früher gab es öfter mal Spaßkloppe bei den Kindern in meiner Nachbarschaft. Spaßkloppe unterschied sich von »ernster« Keilerei dadurch, dass man dem Gegenüber nicht wehtun oder es erniedrigen wollte. Rumtoben, sich ausprobieren, spielen, darum ging es. Hätte man uns damals gefragt, hätten wir wohl gesagt, dass wir uns »aus Scheiß« gegenseitig hauen und dabei gelacht. Heute denke ich, dass es auch darum ging, einander nah und miteinander ungehemmt, ausgelassen sein zu können. Spaßkloppe, weil man sich mag.

Ich erinnere mich auch an die Art von Rangelei, die von den Erwachsenen um uns herum wohl in die Schublade »Spaßkloppe« einsortiert worden wäre, die für mich aber gar nicht so spaßig war. Damals hatte ich keine Worte dafür. Heute weiß ich, dass die Frage, ob ich überhaupt Nein sagen kann, die feine Linie zwischen leichtfüßigem und unangenehmem Körperkontakt bestimmt. Mein Nein war nicht viel wert. Weil ich in meiner Familie, in der Nachbarschaft und in der Schule meist das jüngste Kind, ein »kleines Mädchen« war, hatte ich weniger Möglichkeiten, Rangeleien zu entgehen, wenn Größere entschieden, dass sie aber lieber weiter mit mir raufen wollen.

Ich erinnere mich an die Art »Onkel«, der uns Kinder fast schon zwanghaft kneifen und kitzeln musste, obwohl wir beim ersten Anblick des bedrohlichen Besuchers schon das Weite gesucht hatten. Der halbe Spaß an der Freude schien für diesen Typ Mann zu sein, uns zu Körperkontakt zu nötigen, den wir nicht wollten. Obwohl vordergründig »lustig gemeint«, war das die Kehrseite des »spaßigen« Raufens: Es bereitete manchen Erwachsenen Vergnügen, meine Grenzen zu ignorieren. Mein Nein war für diese Männer eine Einladung – ein Zeichen, wo sie sich ihren Spaß nehmen können, wo mein Konsens aufhört. Nein hieß Ja.

Diese Erinnerungen stecken mir in den Knochen, in den Muskeln, in meinem Blick auf die Welt. Wenn ich zurückdenke an das Gejagtwerden von den lachenden Mittvierzigern, dann spüre ich die elektrisierende Anspannung meiner kindlichen Panik noch heute. Sie begleitete mich auch dann noch, als ich rational schon längst verstanden hatte, dass ich nun erwachsen bin und mich wohl – theoretisch gesehen – gegen die meisten Aufdringlichkeiten wehren könnte. Was mir fehlte war und ist die körperliche Erfahrung, dass es anders ist. Das Embodiment, wie man so schön sagt, die Verkörperung der neuen, relativen Sicherheit in der Welt.

Ich wurde gewissermaßen zum Push-Over erzogen, zu einer grenzenlosen Frau.

Im letzten Sommer war ich zum ersten Mal bei einer queeren Playfight-Gruppe. Playfight, das ist quasi Spaßkloppe mit Ansage. Eine Gruppe trifft sich und zwei Leute rangeln, hauen, beißen, kneifen, kitzeln sich, umringt von den anderen, die zuschauen. Vorher haben die Raufkumpan*innen besprochen, was sie mögen und was nicht passieren soll. Anders formuliert haben sie sich Zeit genommen herauszufinden, was Ja und was Nein ist. So gut es eben geht.

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2020 hat angerufen…

Vor einem Jahr kam durch eine NDR-Reportage heraus, dass Henning F., pseudolinkes Arschloch aus Leipzig, auf dem Monis Rache Festival Kameras in den Dixi-Toiletten installiert und seine Aufnahmen von Frauen auf Pornoseiten verkauft hatte. Es kam auch heraus, dass die Reaktionen seines Umfeldes und von eingeweihten Organisator*innen des Festivals, wie so oft in „feministischen“ Gruppen, für den Mülleimer waren. Trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit sexueller Gewalt in politischen Strukturen und der Gesellschaft allgemein durften wir wieder der altbekannten Shitshow mit dem Titel „es ist aber auch alles so schwierig“ beiwohnen.

Es kostet mich schon etwas Kraft nicht komplett zu verbittern nach diesem Jahr. Ich bin eine sogenannte Betroffene im Fall der Monis Rache Aufnahmen. Im Sommer 2020 erfuhr ich außerdem, dass ein Bekannter von mir, damals Kollektivmitglied in der linken Berliner Kneipe tristeza, in mehreren Fällen übergriffig geworden war unter Ausnutzung seiner Position als „cooler linker Barkeeper“. Er hatte sich auch mir als „der gute Feminist“ verkauft, der voll auf Konsens aus ist. Im k-fetisch, einem anderen linken Café-Kollektiv, in das ich gerne mal ging, gab es 2020 auch Tätervorwürfe.

Mir kommt der englische Ausspruch „too close to home“ in den Sinn. Im letzten Jahr hagelte es Vorwürfe um mich herum – die Einschläge sind zu nah an meinem Zuhause. 2020 hat angerufen und möchte dir noch mehr unter die Nase reiben, dass feministischer Aktivismus im Bereich sexuelle Gewalt rein gar nichts erreicht hat. Ich spüre den Impuls, den Rückzug anzutreten, nichts mehr zu machen. Kein Artikel, kein Vortrag, keine Therapie, keine Aufarbeitung, einfach gar nichts mehr.

Dabei ist es genau das, was ich selbst in meinen Vorträgen und Artikeln immer wieder predige: Wir alle kennen Täter, wir alle hängen mit ihnen rum. 2020 war aus dieser Perspektive vielleicht nur ein wenig ehrlicher als die anderen Jahre. Und dass es nun, da wieder ein Fall prominent diskutiert wurde, dazu kommt, dass sich andere Betroffene ebenfalls melden, ist nicht verwunderlich. Ich bin selbst Opfer von sexueller Gewalt durch ein anderes Szene-Arschloch und ich spüre, wie sich das Klima ändert. Wie es in greifbarere Nähe rückt, öffentlich frei über die Scheiße zu sprechen, die mir passiert ist.

2020 war ein hartes Jahr für mich. Mich hat jede neue Nachricht über neue Fälle aus dem Sattel geworfen. Zumindest ein oder zwei Tage hing ich eher so mit einem Fuß im Steigbügel und mit meiner Nase im Dreck. 2020 war aber auch notwendig und ich bewundere alle Menschen, denen Gewalt widerfahren ist, die es schaffen sich damit in die Öffentlichkeit zu stellen. Viel Liebe an euch!

Geh bitte! Harald Martenstein

Was ist noch schlimmer, als sich Harald Martensteins Kolumnen selber durchzulesen? Sie sich von ihm auf NDR.de vorlesen zu lassen. Da hört man dann nämlich, wie angestrengt »witzig« er alle Wörter betont, die er lächerlich findet. Studentisches »Re-gen-bo-gen-re-fe-rat« zum Beispiel. Oder »Pro-no-men-run-de«. (Komischerweise auch »Vi-de-ooo«.) Neben jeder dieser Aufnahmen prangt ein Foto, wie der langhaarige Provokateur seine witzigen Wahrheiten gestikulierend ins Mikro brummelt: »Damals waren die Sachen noch so und so…«. (…)

Kolumne für analyse&kritik vom 15. Dezember 2020

Gutherziger Satanismus

Der Satanic Temple trollt seit Jahren Christ*innen. Nun knöpft er sich das Thema Abtreibung vor

Gute Kommunist*innen lehnen Religionen ab, heißt es. Aber gilt das auch, wenn Aktivist*innen eine Religion gründen, um die Gesellschaft zu verändern? Die Satanist*innen des Satanic Temple sind sogenannte »social right activists«, Aktivist*innen für soziale Gerechtigkeit – in ihren sieben Grundsätzen verpflichten sich die Mitglieder unter anderem der Wissenschaftlichkeit und dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Seit seiner Gründung 2013 sorgte der Satanic Temple mit seinen Aktionen mehrmals für Furore, insbesondere unter teufelsgläubigen Christ*innen in den USA. (…)

Artikel für analyse&kritik vom 15. Dezember 2020.