Jan und Paul.

Neulich lernte ich einen jungen Mann namens Jan kennen, der mir erklärte, dass Frauen einen Uterus haben und deshalb eine zuvorkommende Behandlung in der Gesellschaft bräuchten. Das Potential ein Balg aus sich zu quetschen sei objektiv, wissenschaftlich bewiesen, unanfechtbar der Grund, warum Frauen am Frauenkampftag nicht kämpfen, sondern früher von der Arbeit nach Hause gehen sollen dürften. Und Blumen kriegen. Und im Bus einen Sitzplatz angeboten bekommen. Weniger Muskelmasse und ein Uterus.

Wir saßen in einer Küche in der Nähe des Barrio Chino in Havanna, Kuba, und tranken ein Bier zum Mittagsessen. Er war ein Deutscher, den Lena, die ich besuchte, kennengelernt hatte. Wir aßen Reis und Gemüse. Lenas Mitbewohner Paul hatte den deutschen Altsozialisten im Körper eines 27-jährigen Jünglings eingeladen. Er sagte, ich würde ihn falsch verstehen, weil das, was er sagte sehr kompliziert sei. Er sagte, er verstehe nicht, dass sich deutsche Frauen über sexistische Anmachen auf Havannas Straßen beschweren, aber dann von diesem Verhalten der kubanischen Männer profitieren würden. Die ficken die einfach, die Kubaner. Er sagte, er würde anders denken als die Deutschen, er sei kubanisiert in der Hinsicht. Er sagte, Frauen nähmen 2-3 Kilo in der Schwangerschaft zu, deshalb wäre es natürlich sie zu schonen. In Deutschlands Linke sei das mit dem Antisexismus ein bisschen viel manchmal. Einmal habe ihn eine kritisiert, dass er so männlich rumstünde. Und auf Kuba ficken die doitschen Frauen kubanische Männer und beschweren sich vorher und nachher und immerzu über sexistische Anmachen.

Paul hatte mir einige Tage vorher erklärt, dass ich meine Geldscheine nicht so herumwedeln solle, da die Bevölkerung Kubas sehr arm und das dementsprechend unangebracht sei. Paul sagte, das Problem sei, dass Frauen sich immer Männer aussuchen, die sie sexistisch behandeln. Ich sagte, er sei ein schlimmeres Arschloch als die Männer, die wenigstens sagen, dass Frauen für sie nur zum Ficken gut seien. Er fing zu weinen an und ich sagte, dass seine pseudofeministische Grüne Jugend Niedersachsen-Sozialisation mir am Arsch vorbeigehe. Lena sagte, ich habe recht, aber der hätte genug. Eigentlich können die nie genug haben.

Ich bin gefangen in einem Körper aus Fleisch und Blut und einem Uterus und wissenschaftlich bewiesener Wertlosigkeit. Dieser Körper wird heute dem Boden entgegen gezogen, er legt sich nieder und starrt aus weit aufgerissenen Augen in den Himmel, wartet bis der Stupor sich auflöst und vielleicht eine Träne über seine Wange rinnt, auf dem Boden aufschlägt und die Erschütterung mich aufweckt. Mein Uterus und ich. Mein Uterus und Paul und Jan. Mein Uterus und der Frauenkampftag. Mein Uterus und die Fickbarkeit. Mein Uterus und nette, linke Männer.

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